Ratzinger-Preis 2017 für Theodor Dieter

Am 18. November 2017 wurde Theodor Dieter im Vatikan von Papst Franziskus mit dem Ratzinger-Preis 2017 für seinen Einsatz für die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ ausgezeichnet. Am Tag zuvor hatten die drei Preisträger (neben Theodor Dieter Prof. Karl-Heinz Menke, Bonn, und der Komponist Arvo Pärt aus Estland) die Gelegenheit zu einer halbstündigen Begegnung mit Papst emeritus Benedikt XVI. Dieter berichtet: „Der emeritierte Papst, in seiner körperlichen Verfassung zwar geschwächt, hat uns mit großer Freundlichkeit, Herzlichkeit, Geistesgegenwart und Heiterkeit empfangen. Er hat sich gut an die Tagung seines Schülerkreises in Castelgandolfo 2012, auf der ich einen Vortrag zum katholisch/lutherischen Dialog gehalten habe, erinnert. Ich habe ihm dafür gedankt, dass er als Präfekt der Glaubenskongregation 1998/99 wesentlich geholfen hat, dass die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, die in eine Krise geraten war, zu einem guten Ende kam und in Augsburg am 31. Oktober 1999 für die Katholische Kirche und den Lutherischen Weltbund unterzeichnet werden konnte. Sogleich war in seinem erstaunlichen Gedächtnis die damalige Zeit gegenwärtig und seine Gespräche mit dem damaligen lutherischen Bischof Hanselmann aus Bayern. Wir haben über viele Themen gesprochen, unter anderem über Martin Luthers „Heidelberger Disputation“, die Luther-Interpretation von Paul Hacker, der Joseph Ratzinger zuneigt – ich habe meine Einwände gegen diese Interpretation vorgetragen; über das Reformationsjahr 2017, über das Institut für Ökumenische Forschung in Strasbourg, über lange zurückliegende Seminare in Tübingen. Das Gespräch ging aber nicht nur über theologische Themen; es hatte auch eine große geistliche Intensität und Tiefe, über die hier nicht zu sprechen ist. Der emeritierte Papst entließ mich mit einem besonderen Gruß an das Institut für Ökumenische Forschung in Strasbourg. Es war eine wunderbare, unvergessliche Begegnung!“

Die Preisverleihung am 18. November durch Papst Franziskus fand in einem Festakt in der Sala Clementina statt. Zu dieser Feier waren neben Dieters Familie auch Bischof July (Stuttgart), der Vorsitzende des Kuratoriums der Lutherischen Stiftung für Ökumenische Forschung – sie trägt das Institut für Ökumenische Forschung in Strasbourg –, mit nach Rom gekommen. Es waren wohl mehr als 20 Kardinäle, zahlreiche Bischöfe und sehr viele Würdenträger der Katholischen Kirche in dem prachtvollen Saal anwesend. Zu Beginn und Abschluss der Feier hat der Chor der Sixtinischen Kapelle gesungen. Pater Lombardi SJ, der Vorsitzende der Vatikanischen Stiftung Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI hat Papst Franziskus begrüßt, Kardinal Koch hat die Preisträger kurz vorgestellt. Dann folgte die Preisverleihung in alphabetischer Reihenfolge. Eine bewegende Erfahrung für Theodor Dieter: der Händedruck von Papst Franziskus und sein Augen-Blick voller Wohlwollen und Wärme, die Präsentation der Preisurkunde zusammen mit dem Papst vor den applaudierenden Anwesenden.

Papst Franziskus hat sich dann in einer kurzen Rede zum Preis geäußert und dabei unter anderem Folgendes gesagt: Das Motto Joseph Ratzingers als Erzbischof von München “Cooperatores veritatis” (Mitarbeiter der Wahrheit) “steht auf den Preisurkunden, die ich soeben verliehen habe – zum Zeichen, dass auch die Preisträger ihr Leben in den hohen Dienst an der Wahrheit gestellt haben: Veritatis Diaconia. Ich freue mich, dass die bedeutenden Persönlichkeiten, die ich heute auszeichnen durfte, aus drei christlichen Konfessionen kommen, darunter auch die lutherische, mit der wir dieses Jahr bedeutende Augenblicke der Begegnung und des gemeinsamen Fortschritts erlebt haben. Die Wahrheit Christi ist nichts für Solisten – sie ist symphonisch: was sie braucht, ist entgegenkommende Zusammenarbeit und harmonisches Teilen. Sie zu suchen, sie zu studieren, sie zu betrachten und sie – in Liebe – gemeinsam in die Tat umzusetzen, zieht uns kraftvoll hin zu voller Einheit: so wird die Wahrheit eine lebendige Quelle von immer inniger werdenden Beziehungen.“ [aus der Rede von Papst Franziskus bei der Verleihung des Ratzinger-Preises 2017]

Anschließend hat Arvo Pärt ein von ihm komponiertes Vater unser an einem Flügel, den Papst Benedikt geschenkt bekommen hatte und an dem er selbst gespielt hat, vorgetragen, begleitet von der wunderbaren Stimme eines Sängerknaben der Sixtinischen Kapelle – ein Augenblick von beinahe unwirklicher Schönheit. Bevor er die Sala Clementina verließ, hat Papst Franziskus den Preisträgern noch einmal mit seiner besonderen Herzlichkeit gratuliert.

Am Abend wurde zu Ehren der Preisträger ein Gala Dinner im Haus der Ritter vom Heiligen Grab veranstaltet, zu dem eine große Zahl von Gästen geladen war, unter anderem auch die Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland beim Vatikan, Annette Schavan. Das Dinner bot nicht nur vorzügliches Essen, sondern auch vielfältige Möglichkeiten des Gesprächs und der Begegnung. Die Preisträger hatten die Gelegenheit, sich mit einer kurzen Rede für den Preis zu bedanken (siehe den Link unten). Arvo Pärt hat das mit dem bekannten Klavierstück „Für Alina“ getan, das den für ihn charakteristischen Tintinnabuli-Stil repräsentiert.

Wie Theodor Dieter betont, waren die zwei Tage in Rom eine tiefe Erfahrung von herzlicher Freundlichkeit, Wohlwollen und Wertschätzung von Seiten der Katholischen Kirche für ihn und seine Familie, für das Institut für Ökumenische Forschung in Strasbourg und für die lutherische Ökumene – im Jahr des 500sten Reformationsjubiläums. Die besondere Bedeutung des Preises liege darin, dass im Jahr 2017  – 18 Jahre nach der Unterzeichnung der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ – noch einmal von den höchsten Autoritäten der katholischen Kirche festgestellt und anerkannt wird, dass der Weg der „Gemeinsamen Erklärung“ sinnvoll, fruchtbar und zukunftsweisend für die katholisch-lutherischen Beziehungen ist.

Das Video der Preisverleihung: https://www.youtube.com/watch?v=bu5dG4C7AIc 

Das Institut gratuliert Prof. Dr. Theodor Dieter für die verdiente Anerkennung seiner herausragenden wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der ökumenischen Theologie!

Siehe auch den Artikel in LWI vom 27. Oktober 2017

Text der Rede von Theodor Dieter: Rede Rom

Fotos von der Begegnung mit Papst em. Benedikt XVI am 17. November und von der Preisverleihung am 18. November 2017:

Frühere Begegnungen zwischen Papst Benedikt und Theodor Dieter:

Privataudienzen und Treffen mit dem Schülerkreis von Papst em. Benedikt XVI in Castelgandolfo:

Fotos: privat, Luca Caruso, Fondazione Vaticana Joseph Ratzinger, Osservatore Romano