Was tun mit 2017?

Die ökumenische Herausforderung des Jubiläums

46. Internationales Ökumenisches Seminar, vom 4. – 11. Juli 2012

Im Jahr 2017 wird an sehr vielen Orten der ganzen Welt an den Beginn der Reformation und an 500 Jahre Reformation erinnert werden. Die Reformation oder die Reformationen des 16. Jahrhunderts haben die Geschichte der Kirche tief beeinflusst, und das auf vielfältige Weise.

So ist das Verhältnis der verschiedenen christlichen Kirchen zur Reformation unterschiedlich, fast bis zur Gegensätzlichkeit. Die evangelischen Kirchen verdanken ihre Gestalt der Theologie der Reformatoren und den Ereignissen des 16. Jahrhunderts. Es hat aber nicht nur die von Wittenberg ausgehende Reformation gegeben, sondern auch die mit Zürich und Genf und die mit Canterbury verbundene Reformation, daneben die radikale Reformation der Täufer. So bezeichnet “Reformation” ein sehr komplexes Netz von Theologien und Ereignissen. Auch die römisch-katholische Kirche wird man in einem bestimmten Sinn als eine aus der Reformation hervorgegangene Kirche verstehen können, sei es in Übernahme oder Zurückweisung reformatorischer Anliegen. So ist die Erinnerung an die Reformation eine ökumenische Aufgabe par excellence; das Selbstverständnis der Kirchen, das Verhältnis zu ihrer Geschichte und ihr Verhältnis zueinander kommen dabei ins Spiel. 2017 wird die erste Jahrhundertfeier der Reformation sein, die im Zeitalter der Ökumene stattfindet. Frühere Feiern haben vorrangig der konfessionellen Selbstvergewisserung auf Kosten der anderen Kirchen gedient. Ein ökumenisches Reformationsgedenken ist ein Novum, auch wenn es 1980 (450 Jahre Augsburger Bekenntnis) schon Versuche dazu gegeben hat.

Im internationalen Sommerseminar 2012 sollen Theologen aus verschiedenen Kirchen (anglikanisch, lutherisch, mennonitisch, methodistisch, orthodox, pfingstlerisch, reformiert, römisch-katholisch) deren Verhältnis zur Reformation darstellen und ihre unterschiedlichen Gesichtspunkte ins Gespräch miteinander bringen. Was ist es, das die verschiedenen Kirchen jeweils an der Reformation wahrnehmen, sei es als theologisches Erbe, das sie verpflichtet, oder auch als Last und Mangel oder als Auffassungen und Einstellungen, die bis heute als Irrtümer erscheinen? Reformation ist aber nicht nur etwas, das in der Vergangenheit liegt; Reformation ist die bleibende Aufgabe der Kirchen, dafür zu Sorge zu tragen, dass ihre Verkündigung und ihr Leben auch in neuen Situationen dem Wort Gottes entsprechen und ihm dienen. Das Verhältnis der Kirchen zur Reformation und ihre Bereitschaft zur Reform haben eine Entsprechung in ihrem ökumenischen Verhältnis zueinander. Darum steht bei den Erinnerungen und Feiern im Jahr 2017 und bei ihren Vorbereitungen auch die Ökumene auf dem Prüfstand. So hat das Seminar die sehr wichtige Aufgabe, die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Reformation in ein kritisches und konstruktives Gespräch zu bringen, damit die verschiedenartigen Erinnerungen die Kirchen nicht daran hindern, gemeinsam Zeugnis für Christus zu geben, dass vielmehr die schwierige Arbeit an der Erinnerung ihnen hilft, eine neue Sicht für den gemeinsamen Dienst an der Sache Gottes zu gewinnen.

Es geht uns im Seminar aber nicht nur um theologische Erörterungen. Genauso wichtig ist das persönliche Gespräch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ihr Teilen von ökumenischen oder konfessionellen Erfahrungen, ihr Fragen und Zuhören. Gerade weil die Teilnehmenden aus vielen verschiedenen Kirchen und Ländern kommen, ist dieser Austausch besonders spannend und erhellend. Im Seminar ist dafür reichlich Platz im Plenum wie in Arbeitsgruppen vorgesehen. Nicht geplant, aber dafür umso wichtiger sind die vielen Gespräche beim vorzüglichen französischen Essen, in der Cafeteria oder bei einem Glas Wein in einem der Restaurants der mittelalterlichen Altstadt Strasbourgs.

Vorträge

 

 Seminar 2012: Teilnehmer im Séminaire Protestant