Vom Dialog zur Gemeinschaft?

Eine Bilanz der ökumenischen Dialoge

45. Internationales Ökumenisches Seminar, vom 30. juni – 7. juli 2012

Vor einem halben Jahrhundert, im Jahre 1961, kam es zu einer entscheidenden Wende in der damals noch jungen ökumenischen Bewegung. Bei der dritten Vollversammlung in New Delhi verabschiedete der ÖRK eine trinitarische Verfassung sowie eine Einheitsvision, in welcher sich die Kirchen – einschließlich der neu hinzugekommenen orthodoxen Kirchen – zum  zwischenkirchlichen theologischen Dialog verpflichteten. Im gleichen Jahr lud Papst Johannes XXIII. zum Konzil ein. Das II. Vatikanum war ein Wendepunkt in der bisherigen Haltung der römisch-katholischen Kirche zur ökumenischen Bewegung. Von nun an war diese Kirche nicht nur ein offizieller Dialogpartner, sondern ein entscheidender Initiator zahlreicher internationaler ökumenischer Dialoge. Da die reformatorischen Kirchen (Lutheraner, Reformierte, Anglikaner und Methodisten) bereits untereinander im Dialog standen, entwickelt sich in diesen Jahren ein reger bilateraler und multilateraler, nationaler und internationaler Dialog, der sich bis heute fortsetzt.

In den vergangenen 50 Jahren haben beinahe alle Kirchen bilaterale Dialoge miteinander geführt. Ziel dieser Bemühungen war und ist die gemeinsame Formulierung des christlichen Glaubens, eine Grundvoraussetzung für die Einheit der Kirche. Der Ertrag dieses halben Jahrhunderts ist erheblich. Viele bisher trennende Fragen konnten entschärft werden, weitreichende Konsense wurden erarbeitet. Die noch offenen Fragen wurden nicht nur identifiziert; auch zahlreiche althergebrachte Konflikte erscheinen nun in einem vielversprechenden neuen Licht.

Ein entscheidender Schritt auf diesem Weg der Lehrgespräche war die Konvergenzerklärung von Glaube und Kirchenverfassung BEM (Taufe, Eucharistie, Amt), die im Januar 1982 in Lima verabschiedet wurde und deren 30stes Jubiläum bevorsteht. Zwischen reformatorischen Kirchen kam es – aufgrund von Lehrgesprächen – zu verschiedenen Erklärungen von Kirchengemeinschaft, die eine neue Qualität des gemeinsamen Kircheseins dieser Traditionen zur Folge hatten. Im Gespräch zwischen Lutheranern und Katholiken haben die Dialoge die Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre (1999) ermöglicht.

Doch auch Kritik blieb nicht aus. Manch einer zweifelte (und zweifelt) an der Methode und dem Ertrag der Konsensökumene. Man kann in der Tat bezweifeln, ob ein Anhäufen von neuen Dialogergebnissen die angemessene Antwort auf die Frage nach der Einheit der Kirche ist. Es gilt, neue Wege zu finden, um von den Ergebnissen der Gespräche zur gelebten Gemeinschaft der Kirchen vorzustoßen.

Das Sommerseminar 2011 des mit dem Lutherischen Weltbund eng verbundenen Straßburger Instituts für Ökumenische Forschung wollte dieser Frage nachgehen.

Walter Cardinal Kasper,, Prof. Dr. Theodor Dieter

Walter Cardinal Kasper, Prof. Dr. Theodor Dieter

Seminar 2011 - Participants at the Séminaire Protestant

Seminar 2011: Participants at the Séminaire Protestant