Aus Anlass des 450. Jubiläums des Augsburger Bekenntnisses im Jahr 1980 veranstalteten die Lutheraner eine ökumenische Feier, zu der sie die Mennoniten einluden. Sie hatten damals nicht berücksichtigt, dass die Mennoniten die Erben der Täufer des 16. Jahrhunderts sind, die im Augsburger Bekenntnis mehrfach verurteilt werden. Dieser Fauxpas führte zu nationalen Dialogen zwischen Lutheranern und Mennoniten, zuerst in Frankreich (1981-1984), dann in Deutschland (1989-1992) und schließlich in den USA (2001-2004). Der LWB baute auf diese nationalen Dialoge auf und berief einen internationalen Dialog mit der Mennonitischen Weltkonferenz (Mennonite World Conference) ein.

Obwohl ursprünglich geplant war, die theologischen Unterschiede in den Bereichen der Taufe und des christlichen Engagements in Regierung und Militär zu untersuchen, wurde schnell klar, dass ein ungeklärtes Problem aus der Vergangenheit sich in der Gegenwart aufdrängte: Die Mennoniten erinnerten sich an die lutherische Verfolgung ihrer Vorfahren im 16. Jahrhundert, was die Lutheraner schon längst vergessen hatten. Der Dialog hat dann seine Taktik geändert und sich an ein bisher noch nie dagewesenes ökumenisches Projekt gemacht: das gemeinsame Erzählen der Geschichte ihrer Beziehungen in einer Weise, die für beide Seiten als akkurat angesehen wird. Im Verlauf dieses Projekts entdeckten die Mennoniten, dass die Lutheraner nicht so viele ihrer Vorfahren umgebracht hatten, wie sie angenommen hatten; die Lutheraner kamen zu dem Schluss, dass die 100 getöteten Täufer 100 zu viel waren. Sie mussten auch die Rechtfertigung der Verfolgung durch Luther und Melanchthon klären und waren erleichtert festzustellen, dass ein weiterer lutherischer Reformator, Johannes Brenz, sich deutlich gegen die Verfolgung ausgeprochen hatte.

Als Antwort auf diese historische Entdeckung leiteten die Lutheraner innerhalb des LWB einen Prozess ein, um eine öffentliche Entschuldigung und eine Bitte um Vergebung durch die mennonitische Gemeinschaft vorzubringen. Bei der Vollversammlung des LWB im Jahr 2010 in Stuttgart (Brenz’ Heimatstadt) votierte der LWB einstimmig dafür. Vertreter der Mennonitischen Weltkonferenz waren bereit, ihre und auch Gottes Vergebung auszusprechen. Auch dies war ein noch nie dagewesener ökumenischer Durchbruch. Der Text dieses gemeinsamen historischen Berichts kann hier heruntergeladen werden.

Seit 2010 findet eine dritte ökumenische Innovation statt, da der Mennonitische Weltbund, der LWB und die römisch-katholische Kirche einen Trialog zum Thema Taufe begonnen haben.

Heilung der Erinnerungen – Versöhnung in Christus. Bericht der Internationalen lutherisch-mennonitischen Studienkommission

Lutheran-Mennonite Study Commission Meeting 2006

Lutheran-Mennonite Study Commission Meeting 2006