Die Beziehung zwischen Lutheranern und Reformierten kann mit Jakob und Esau verglichen werden: ein intensiver Kampf von Geschwisterrivalität. Beide Kirchen entstanden zu fast derselben Zeit und hatten vieles gemeinsam. Aber in zwei oder drei wichtigen Fragen konnten sie sich nicht einigen. Aus der anfänglichen Harmonie wurde Zerrüttung. In den folgenden Jahrhunderten bestimmte eher Politik als Theologie ihre Beziehungen.

Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat es jedoch zwischen Lutheranern und Reformierten mehr Erklärungen von Kirchengemeinschaft gegeben als zwischen anderen christlichen Familien. Die wichtigste Erklärung war in dieser Hinsicht die Leuenberger Konkordie (LK) von 1973. Sie nahm die drei Themen auf, die im 16. Jahrhundert die Kirchen am meisten trennten: die Natur der Gegenwart Christi im Abendmahl, die Christologie und die Prädestination. Die LK erklärte, dass der Glaube der Kirchen heute im Blick auf diese Fragen nicht mehr kirchentrennend und somit volle Kirchengemeinschaft zwischen den beiden Kirchen möglich sei. Seit der Unterzeichnung der LK sind fast 100 europäische Kirchen dieser Gemeinschaft evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) beigetreten. Dazu gehören inzwischen Methodisten, Böhmische Brüder, Waldenser Kirchen und sogar einige lateinamerikanische Kirchen. Auf der Grundlage der LK sind weitere lutherisch-reformierte Abkommen geschlossen worden: z.B. die Formula of Agreement zwischen der Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Amerika, der Presbyterianischen Kirche (USA), der Reformierten Kirche in Amerika und der Unierten Kirche Christi. Seit der Gründung der GEKE arbeiten Lutheraner und Reformierte an Themen von gemeinsamem theologischem Interesse.

Neben der bedeutenden regionalen Arbeit der GEKE führt der LWB einen internationalen Dialog mit der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (einem Zusammenschluss des Reformierten Weltbundes und des Reformierten Ökumenischen Rates).  Die neueste gemeinsame Stellungnahme dieses Dialogs ist das Dokument Communion: On Being the Church.

Weitere Texte von Stabsmitgliedern des Instituts