Das Institut feiert sein 50jähriges Jubiläum

Mit einem ganztägigen Fest hat das Institut am 22. April 2015 fünf Jahrzehnte seines Dienstes für den Lutherischen Weltbund und die ökumenische Bewegung gefeiert. Zum Programm gehörten Grußworte und Vorträge von Vertretern aus vielen Christlichen Weltgemeinschaften und aus der Familie des Lutherischen Weltbunds, unterbrochen von Musikstücken für Violine und Klavier. Höhepunkt war ein Gottesdienst in der Kirche St. Thomas zum Dank an Gott für die Arbeit von 50 Jahren und als Bitte um seinen Segen für die weitergehende Suche nach der Einheit der Kirche.

Der Tag begann im Séminaire Protestant in Strasbourg mit einer Begrüßung durch Bischof Dr. Frank O. July, Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung für ökumenische Forschung, die für das Institut verantwortlich ist. Es folgte eine Rede des Direktors des Instituts, Prof. Dr. Theodor Dieter, der die Geschichte, den Auftrag, die Arbeit und die Herausforderungen des Instituts skizzierte und den vielen Menschen und Institutionen dankte, die das Institut in den letzten 50 Jahren unterstützt und so zu dessen Arbeit und Leistung beigetragen haben.

Bp. Frank O. July

Dann würdigten Partner und Freunde des Instituts den Dienst der zurückliegenden 50 Jahre und blickten erwartungs- und hoffnungsvoll auf die zukünftige Arbeit des Instituts voraus. Der Generalsekretär des Lutherischen Weltbunds, Pfr. Martin Junge, sprach eindrucksvoll von den Beiträgen, die das Institut für die Entwicklung des Weltluthertums und für den außergewöhnlichen Fortschritt in den ökumenischen Annäherungen geleistet hat, vor allem im Prozess der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre (1999) und der Versöhnung mit den Mennoniten (2010). Er stellte fest: „Es liegt in der DNA des Instituts, leidenschaftlich für die theologische Verwurzelung und Verantwortung der ökumenischen Dialoge zu sorgen (…); aus der Perspektive des LWB ist das Institut der ökumenischen Verpflichtung seiner Mitgliedskirchen ebenso fest verbunden wie den aktuellen theologischen Dialogen, in denen das ökumenische Engagement zum Ausdruck kommt. Theologisch gesprochen: Für den LWB ist das Institut mit seiner Forschungskapazität und seiner Unterstützung für die ökumenischen Beziehungen der Gemeinschaft nicht ein adiaphoron, ein ‚Kann-sein’, sondern eine Notwendigkeit, ein ‚Muss-sein’“.

Darauf folgte Bischof Brian Farrell vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen mit Worten des Dankes für die lange Partnerschaft des Instituts mit der katholischen Ökumene. Für die Römisch-katholische Kirche, sagte er, „ist das Strasbourger Institut ein sichtbares Zeichen, wie ernst der Lutherische Weltbund sein Engagement in der ökumenischen Bewegung nimmt“.

Weitere Grußworte und Worte der Anerkennung kamen von Bischof Dr. Michael Bünker, dem Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche in Österreich und Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), der die wichtigen Beiträge von Professoren des Instituts für die Entstehung der Leuenberger Kirchengemeinschaft und für ihre Entwicklung bis heute würdigte; von Pfr. Dr. Gabriel Tschonang, einem katholischen Priester und Forscher aus Strasbourg, der seine Dissertation im Institut schrieb, und von Prof. Dr. Christos Filiotis, einem griechisch-orthodoxen Priester in Strasbourg und Professor an der Universität von Thessaloniki. Das Vormittagsprogramm schloss mit den Ausführungen von Pfr. Dr. Larry Miller, dem früheren Generalsekretär der Mennonitischen Weltkonferenz, der am lutherisch-mennonitischen Dialog teilnahm und heute Generalsekretär des Global Christian Forum ist und dessen Büro sich im Institut befindet, und von Kirchenpräsident Christian Albecker aus Strasbourg.

Der Festgottesdienst fand um zwölf Uhr in der Kirche St. Thomas statt. Die liturgische Leitung hatte Bischof July, während Kirchenpräsident Locher vom Schweizer Evangelischen Kirchenbund/GEKE – auch er ist Mitglied des Kuratoriums der Stiftung – die Predigt hielt. Ein vorzügliches Buffet erwartete die Gäste in der Mediathek des Séminaire Protestant.

Am Nachmittag sprachen vier Redner aus verschiedenen Teilen der Welt. Bischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und Ratsvorsitzender der EKD, erinnerte an die besondere Geschichte der bayrischen Bischöfe und der bayrischen lutherischen Kirche mit dem Institut und betonte energisch die praktische und theologische Notwendigkeit der Ökumene. Auf ihn folgte Bischof Dr. Ndanganeni Phaswana von der Evangelisch-lutherischen Kirche im Südlichen Afrika, der ein leidenschaftliches Plädoyer für ein stärkeres Engagement des Instituts für die theologische Ausbildung der lutherischen Kirche im Globalen Süden hielt. Pfr. Dr. Cecil M. Robeck, Professor am Fuller Theological Seminary und führender Ökumeniker der Pfingstbewegung, sprach begeistert von seiner eigenen Beteiligung an dem vorbereitenden Dialog, den das Institut mit der klassischen Pfingstbewegung für die lutherischen Kirchen führte. Das Programm schloss mit einer Würdigung von Prof. Dr. Friederike Nüssel von der Universität Heidelberg für die wissenschaftlichen Beiträge, die die Theologen des Instituts in all den Jahren geleistet haben.

Neben den offiziellen Rednern nahmen viele Gäste an der Feier teil. Aus dem Kuratorium waren das außer den schon erwähnten Mitgliedern Pfr. Naoki Asano aus Japan, Pfr. Dr. Duane Larson aus den USA, und Bischof Dr. Matti Repo aus Finnland. Auch frühere Kuratoriumsmitglieder gehörten zu den Gästen: Bischof em. Dr. Johannes Friedrich aus Deutschland und Bischof em. Dr. Eero Huovinen aus Finnland. Frühere Mitglieder des Stabs des Instituts nahmen ebenfalls an der Feier teil: Prof. Dr. Harding Meyer, Prof. Dr. Marc Lienhard, Pfr. Dr. Flemming Fleinert-Jensen und Frau Alice Heyler. Zu den früheren und heutigen Kolleginnen und Kollegen des LWB gehörten Pfr. Dr. Kaisamari Hintikka, Pfr. Sven Oppegaard und Frau Sybille Graumann.

Viele Gäste kamen natürlich aus Frankreich. Zu diesen ökumenischen Freunden gehörten Mons. Joseph Doré, früherer Erzbischof von Strasbourg; Prof. Dr. Franck Lemaître, Ökumenischer Sekretär der Bischofskonferenz; Pfr. Claire Sixt-Gateuille (EPUdF, Abteilung für Ökumenische Beziehungen) und Frau Jane Strantz (FPF, Abteilung für Ökumenische Beziehungen). Aus Strasbourg selbst wurden willkommen geheißen Vizepräsident Christian Krieger; Prof. Dr. Matthieu Arnold; Prof. Dr. Karsten Lehmkühler; die Inspecteurs ecclesiastiques Pfr. Reutenauer, Pfr. Wolf-Bonsirven, Pfr. Hetzel, Pfr. Jundt und Pfr. Gerber.

Auch von weiter her kamen lutherische und ökumenische Gäste, um ihre Glückwünsche zu übermitteln, darunter Mons. Dr. Matthias Türk vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen; Dr. Jean-Daniel Plüss aus der Schweiz, Co-Vorsitzender der pfingstlerischen Gruppe im künftigen lutherisch-pentekostalen Dialog; Bischof Dr. Manzke, Bückeburg, Catholica-Beauftragter der VELKD; Privatdozent Dr. Günther Frank, Direktor der Europäischen Melanchthon-Akademie in Bretten; Pfr. Dr. Fleischmann-Bisten, Leiter des Konfessionskundlichen Instituts in Bensheim; Dr. Haizmann von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Württemberg; Dekan Wilfried Braun aus Backnang, Deutschland; und Pfr. Dr. William Rusch aus den USA.

Schließlich war eine Gruppe von Theologinnen und Theologen zur Feier eingeladen, die anschließend an einer ökumenischen Konferenz im Château Klingenthal teilnahmen; diese Konsultationen haben eine zwanzigjährige Tradition. Dazu gehörten Dr. Beate Bengard (Deutschland/Frankreich), Prof. Dr. Martin Friedrich (GEKE; Österreich/ Deutschland), Prof. Dr. Hans Jochen Hilberath (Deutschland), Prof. Dr. Hervé Legrand (Frankreich), Prof. Dr.  Annemarie Mayer (Belgien/Deutschland), Prof. Dr. Peter de Mey (Belgien), Prof. Dr. Jeremy Morris (UK), Prof. Dr. Friederike Nüssel (Deutschland), Prof. Dr. Johanna Rahner (Deutschland), Prof. Dr. Risto Saarinen (Finnland), The Rev. Canon Dr. Nicholas Sagovsky (UK), OKR Dr. Oliver Schuegraf (DNK; Deutschland), Prof. Dr. Walter Sparn (Deutschland), Prof. Dr. Wolfgang Thönissen (Deutschland) und Prof. Dr. Henk Witte (Niederlande).

Würdigende Worte im Rückblick und ermutigende Worte für die Weiterarbeit – das war eine sehr schöne Art, 50 Jahre Dienst an der Ökumene zu feiern. Wir danken und loben Gott für das, was er getan hat, und bitten ihn um weitere 50 Jahre, um uns für eine Kirche einzusetzen, die in Wahrheit eins ist.